Freitag, 19. April 2013

Keller des Schreckens

Da fiebert man gespannt auf die erfolgreiche Bewilligung des Bauantrags hin und nimmt planerische Feinheiten bei diversen Mehrleistungen (größerer Dachüberstand, Kellereingang, größeres Kellerfenster für den "Hobby-Raum" usw.) vor und dann trifft einen zweimal der Schlag.

Am 15.04.13 ereilte uns Post des Bauträgers, dass anhand der geänderten Statik gegenüber dem Standardhaus (wir haben ja Grundriss und Größe verändert), die KG und EG-Decke um 2 bzw. 4 cm stärker ausgeführt werden müssen. Jetzt müssen wir prüfen, ob diese Kosten schon in der Umplanung Hausvergrößerung berücksichtigt wurden. Die Antwort steht noch aus, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird diese nicht zu unseren Gunsten ausfallen. Okay, wie auch immer, das können wir mit unseren finanziellen Mitteln erst mal noch bewerkstelligen.

Die nächste Post kam dann am 17.04.13., in der uns nach Durchsicht aller Bauunterlagen und des Bodengutachtens weitere Mehrleistungen unterbreitet werden, die als erforderlich gelten.

Dabei handelt es sich unter anderem um eine erweiterte Abdichtung des Kellers nach DIN 18 195 Teil 6: Abdichtungen gegen von außen drückendes Wasser und aufstauendes Sickerwasser. In der bisher vereinbarten Bauleistungsbeschreibung wird die Kellerabdichtung nach DIN 18 195Teil 4: Abdichtungen gegen Bodenfeuchte (Kapillarwasser, Haftwasser) und nichtstauendes Sickerwasser an Bodenplatten und Wänden vorgenommen.

Weitere zusätzliche Posten:
  • 4 Stahlbeton-Aussteifungsstützen für das Kellermauerwerk - wegen des hohen Erddrucks,
  • die Standardlichtschächte sind durch druckwasserdichte Lichtschächte auszutauschen, 
  • eine Mehrspartenhauseinführung (dadurch werden die gesamten Hausanschlüsse - z.B. Trinkwasser, Strom, Telekommunikation geführt),
  • eine druckwasserfeste Hauseinführung der Entwässerungsanschlüsse und der Anschlüsse für die Wärmepumpe,
  • 12m² zusätzliche Dämmung an den nicht erdanliegenden Kelleraußenwänden, 
  • ca. 20cm Bodenaustausch unter dem Kellerfundament
Als ich die einzelnen Posten dann addiert hatte, musste ich mir sofort ein Radler ins Eisfach legen ("richtiges" Bier war grad keines zur Hand, dafür will ich ja den verdammten Keller... haha), habe meine "Gelegenheitszigaretten" aus der Schublade geholt und bin auf den Balkon...

Als ich dann mit meinem "Starkbier" fertig gewesen bin, haben wir uns nochmal an die Unterlagen gesetzt und nochmals das Bodengutachten studiert. 

Einige Angaben im Gutachten konnte ich nicht nachvollziehen. Beispielsweise, wurden 2 Kleinrammbohrungen auf dem Grundstück bis 2,50m Tiefe durchgeführt. Dabei wurden drei Erdschichten dokumentiert und zu keiner Zeit auf Wasser gestoßen - was allerdings nur eine Momentaufnahme ist, worauf im Gutachten ("Es ist jedoch jederzeit mit aufstauendem Oberflächen- und Schichtenwasser bei Starkregenereignissen zu rechnen.") und auch in einschlägigen Bauexpertenforen hingewiesen wird. Wie oft wird das denn der Fall sein? Naja. Die dritte Erdschicht von 1,50 bis 2,50m Tiefe wird als sehr guter Baugrund klassifiziert... da frag ich mich, warum ein Bodenaustausch von 20cm nötig sein soll!? Weiterhin ist davon die Rede, dass das Aushubmaterial nicht als Verfüllmaterial der Baugrube zu benutzen sei. Und stattdessen ein weitgestuftes Kies-/ Sandgemisch verwendet werden soll. Die planmäßgie Versickerung des Regenwassers ist erst im Kalkstein, also in Schicht 3 gegeben. Schicht 1 und 2 sind dafür ungeeignet und sollen ja sowieso durch das oben beschriebene Verfüllmaterial (welches eine hohe Durchlässigkeit besitzt) ausgetauscht werden. Warum dann also die Abdichtung des Kellers nach DIN 18 195 Teil 6 und nicht Teil 4 ????? Dann wären auch einige der anderen zusätzlichen Posten möglicherweise überflüssig???
 
Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch nichts davon, wenn wir aufgrund falscher Planungs- und Bauausführung später nasse Wände oder Wasser über die Lichtschächte in den Keller bekommen, sich Schimmel bildet und diese Mängel dann wieder teuer beseitigt werden müssten.

Mit diesem finanziell erheblich großen Mehraufwand haben wir nicht gerechnet und müssen nun schauen, wie wir damit umgehen. Mal sehen, was unser Mann vom Fach dazu meint, welche der Maßnahmen absolut notwendig sind, weil wir sonst später Probleme bekommen und welche nicht.

Irgendwie ist das gerade sehr ernüchternd...

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